Future Day 2017: Im Gespräch mit Ali Mahlodji

Ali Mahlodji – Bereits nach 5 Minuten Interview ist klar: Ali Mahlodji hat nicht nur etwas zu sagen, sondern er hat eine wichtige Botschaft. Lesen Sie, wie Ali es schafft einen positiven Mindshift zu erzeugen und damit nichts Geringeres erreichen will, als die Welt zu retten.

Welcher Trend wird die Zukunft viel stärker prägen, als wir heute denken?

Achtsamkeit, davon bin ich zutiefst überzeugt. Die Menschen unterschätzen das Thema. Sie spüren noch nicht, wie tiefgehend es unser Leben verändern wird. Unsere Welt verändert sich in rasender Geschwindigkeit, es gibt keine wirklichen Konstanten mehr. Die einzige Konstante die bleibt, ist immer der Mensch selbst. Der tut sich aber immer schwerer die nötige Ruhe in diesem Orkan zu finden. Das Gemeine ist: In unserer konsumgetriebenen Welt versuchen alle unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen. Das führt dazu, dass wir uns immer mehr von uns selbst entfernen. Das Thema der Achtsamkeit, egal ob es gerade in Mode ist oder nicht, wird die größte tiefgehende Veränderung mit sich bringen.

Gegenfrage: Was ist Ihrer Meinung nach ein überschätzter Trend?

Da hab ich eine eindeutige Meinung: Ganz klar das Startup-Thema. Startups werden gerade gefeiert, als die einzig wirklichen Heilsbringer. Wir hoffen, dass sie uns in vielen Fällen die Erlösung bringen. Das tun einige ja auch – ohne Zweifel. Da gibt es großartige Ideen. Aber das ist schon eine große Portion „Hype“ dabei. Aber ganz ehrlich: Am Ende des Tages ist ein Startup rein technisch gesehen ein Unternehmen, oftmals eine GmbH mit einer Einnahmen- und Ausgabenrechnung, das hoffentlich irgendwie profitabel rennt.

Das Thema Unternehmertum wird natürlich immer wichtiger für unser Leben, weil wir merken, dass der Staat, institutionelle Einrichtungen oder große Organisationen mit den Herausforderungen der Zeit nicht klar kommen. Deswegen braucht es ganz viele agile Beiboote, die das in Angriff nehmen. Nur, Startups sind für alles Mögliche da draußen hochstilisiert worden. Durch diesen Hype sind sie immer mehr zu Vehikeln verkommen, mit denen man ganz schnell Geld verdienen will. Die tolle Idee skalieren, schnell groß machen und dann exit. Das hat nichts mit der normalen Wirtschaft zu tun, auch nicht mit uns Menschen oder unserer Natur. Vielmehr spiegelt es eigentlich nur einen Zeitgeist wider, der aktuell dafür steht, dass die Menschen sich selbst und ihr Potential überholen und durchbrennen.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Was wird in unserer Gesellschaft in 20 Jahren Ihrer Meinung nach anders sein?

In 20 Jahren werden wir auf unser jetziges Leben zurückblicken und darüber lachen, weil wir verstehen werden, dass wir die erste Generation waren, die zum ersten Mal gleichzeitig mit der Globalisierung, Digitalisierung und Datenflut konfrontiert war und wir absolut keinen Plan hatten, wie wir damit umgehen sollten. Ich glaube, dass wir in 20 Jahren viel ruhiger und entspannter sein werden. In 20 Jahren werden wir hoffentlich eine Generation sein, die nicht mehr versucht, jede Chance zu nutzen. Sondern, dass wir eher zu einer genügsamen Gesellschaft geworden sind.

Wie beeinflussen Trends Ihre Arbeit?

Trends beeinflussen meinen Job dahingehend, dass sie manchmal ein guter Spiegel sind, ob man selber die Einschätzungen richtig getroffen hat. Aber sie sind mit großer Vorsicht zu genießen, weil nicht jeder Trend es auch wert ist darauf aufzuspringen. Genauso sind Trends auch nur dann sinnvoll, wenn sie sich über eine spezielle Zeit halten und Veränderungen vorantreiben – also das Potential für echte Megatrends haben.

Wer ist Ihr Lieblingsdenker zum Thema Zukunft?

Mein Lieblingsdenker und Mentor zum Thema Zukunft ist der Neurobiologe Gerald Hüther. Er sagt die Zukunft nicht vorher, sondern er erinnert den Menschen daran, was wir schon längst wissen, aber vergessen haben. Wenn man sich die Zeit nehmen würde ein Kind zu beobachten, wie es gehen lernt, nicht einmal weiß, dass es Fehler macht, selbstwirksam die Sprache lernt ohne einen Wortschatz bei der Geburt gehabt zu haben. Wenn man sich das anschaut, dann sieht man automatisch unser Potential und man merkt, dass wir uns als Erwachsene davon entfernt haben. Gerald Hüther erinnert die Menschen daran.

Was gibt Ihnen Anlass zur Hoffnung?

Wenn ich einen Menschen in seiner Urform anschaue. Ein Kind, das noch nicht vom Konkurrenzgeist geprägt ist. Dann weiß ich, dass alles gut gehen wird und dass unsere Welt auf Balance ausgelegt ist. Das heißt für jede Bewegung gibt es eine Gegenbewegung. Wenn es eine Bewegung gibt, die hochtechnisch ist, gibt es auch eine Gegenbewegung, wie „do-it-yourself“. So lange die sich die Waage halten, ist das fantastisch und es gibt mir wirklich Grund zur Hoffnung. Wenn man sich Zahlen und Fakten anschaut, dann sieht man, dass wir noch nie so ein friedliches Europa hatten. Ich nenne das einen „echten“ Realismus der Welt. Sich dem hinzugeben und an den Menschen zu glauben, da kann man gar nicht anders als hoffnungsvoll sein.

Von der Hoffnung zur Verzweiflung: Was treibt Sie zur Verzweiflung?

Was vor 10 Jahren noch nicht so war und heute eine Katastrophe ist: die Email- und Informationsflut. Mittlerweile habe ich aber einen Weg gefunden, indem ich mich einfach in einer gesunden Ignoranz übe. Ich habe gerade 1300 ungelesene Mails, 99 ungelesene SMS und ja, ich kann gut damit leben.

Lassen Sie uns kurz über Whatchado sprechen: Welche Chancen sehen Sie im Videoformat als Weiterbildungs- und Lerninstrument?

Wir Menschen lernen am einfachsten über andere Menschen, durch Emotionen und den Vergleich mit anderen. Video ist aktuell das wunderbarste Mittel, das nicht nur Inhalte verkörpert, sondern auch Emotionen vermittelt. Wir bei Whatchado sind der Meinung, dass kein anderes Medium diese Gradwanderung von Information und Emotion so gut vermittelt. Information ist erst dann wertvoll, wenn sie mit Emotion aufgeladen ist.

Recruiting und Personalentwicklung sind eines Ihrer Kernthemen: Was kann ein Unternehmen heutzutage tun, um junge Unternehmer im Unternehmen zu halten?

Was junge Unternehmer wollen, ist, dass sie ihre eigenen Ideen umsetzen können. Sie wollen es nach ihren Vorgaben machen. Unternehmen sollten sich verhalten wie ein Kooperationspartner. Wenn man wirklich Unternehmer im Unternehmen halten möchte, dann führt kein Weg daran vorbei, eigene Projekte zu definieren, die diese Menschen selbstständig, selbstwirksam, mit eigenem Budget und eigenen Vorgaben umsetzen können, ohne immer das Gefühl zu haben, da sitzt mir jemand im Nacken. Aus Corporate-Sicht bedeutet das zu vertrauen und sich wirklich auch damit abzufinden, dass das Projekt scheitern könnte. Aus der Sicht des Unternehmers ist es wichtig, dem Corporate auch die Chance zu geben, sich als einen ebenbürtigen Partner zu etablieren und nicht sofort den Corporate in die Ecke zu stellen, als altes Eisen der Vergangenheit.

Ist das nicht schwierig für große, bereits etablierte Unternehmen?

Es kommt darauf an wie sie es angehen. Sun Microsystems zum Beispiel wurden von Oracle gekauft. Sie haben vor vielen Jahren die Programmiersprache Java entwickelt und gewusst, wenn sie diese Programmiersprache normal „in-house“ produzieren, dann wird das nichts. Sie haben dann ihre besten Köpfe in einer Hütte eingesperrt. Die hatten ihr eigenes Budget und die Erlaubnis, das ganze Geld auch zu verbraten. Damit hatten sie auch keine Angst bei der Entwicklung. Sie haben komplett frei agieren können und plötzlich kam Java heraus, die am weitesten verbreitete Programmiersprache der Welt. Sun Microsystems hat zwar den Turnaround Jahre später nicht geschafft, aber sie haben es immer wieder geschafft, Innovationen rauszuschießen, weil sie ihren Leuten das Vertrauen mitgegeben haben. Das spricht für die Reife eines Unternehmens. Wie sehr bin ich als Manager bereit zu akzeptieren, dass ich auf meinem Excelsheet ein Department habe, das Verluste schreibt, wo ich aber weiß, das ist unsere interne Spielwiese.

Wie stellen Sie sich die Weltrettung konkret vor?

Ich habe im Fernsehen einmal gesagt, dass ich 25 % der Weltbevölkerung retten will. Das sind bei sieben Milliarden Menschen 1,75 Milliarden. Die Leute haben mich ausgelacht. Ich habe dann gesagt: „Schauen Sie, das ist ziemlich einfach. Sieben Milliarden Menschen zu retten, das schaffe ich vielleicht nicht, aber wenn Sie einen Menschen haben, der Angst hat vor der Zukunft, weil er keine Perspektive hat und ich schaffe es mit meiner Videoplattform Whatchado diesen Menschen die Perspektive zu öffnen, verändere ich in einer Sekunde das Weltbild dieser Person.“ Im besten Fall hat man dann die Zukunft von dieser einen Person gerettet weil man ihre Welt gerettet hat. Wir sind nur die Summe unserer Erfahrungen, die unser Weltbild ausmachen. Mittlerweile erreichen wir 1,5 Millionen Leute.

Welche Defizite sehen Sie in unserem Bildungssystem?

Da draußen steht eine Lehrperson und erklärt dir was. Nur wenn du das so machst, wie sie es will, dann bist du gut genug. Und du sollst nicht hinterfragen, sonst bist du ein schlimmer Schüler. Das ist das Problem, das wir haben. Das ist nicht das Problem der Lehrer, sondern wir haben einfach ein System, das so eingefahren ist. Das österreichische und deutsche Bildungsgesetz erlaubt im Rahmen des Gesetzes andere Lernmethoden. Frontalunterricht zum Beispiel ist eingesessen und den will man nicht ändern, weil man das schon 30 Jahre so macht. Das Defizit in unserem Bildungssystem ist jenes, zu verlangen, dass Leute lernen, obwohl Sie selbst nicht das neueste Wissen in einem System adaptieren. Es hält immer noch an den Anforderungen der Vergangenheit fest und ist nicht gehirngerecht.

Wo müsste man ansetzen, um Veränderungen voranzubringen?

In der alten Geschichte waren Lehrer immer die Weisen. Aktuell haben wir ein Lehrerbild, wo sich viele über Lehrer lustig machen. Was wir brauchen ist ein neues Lehrerbild. Wir müssen uns wieder bewusst werden, dass ein jeder Topmanager durch die Hände der Lehrer gegangen ist. Die Lehrer geben uns eigentlich das mit, was wir für die Zukunft brauchen. Eltern kannst du dir nicht aussuchen aber durch die Schule müssen wir alle. Die Verantwortung bei den Lehrern nicht nur einzufordern, sondern es auch auf sie zu projizieren und die Wertschätzung gegenüber dem Bildungswesen ist das, was uns allen fehlt.


Treffen Sie Ali Mahlodji auf dem Future Day 2017

Future Day 2017 – 21. Juni 2017 am Frankfurter Kap Europa
Fokusthema „Erleuchtete Digitalisierung“ – Timeslot 14.30-16.10 Uhr
Speaker Ali Malohdji | Watchado
Thema Kraft der Talente – Wie aus digitalem Storytelling eine neue Lernkultur entsteht

Posted on 23. Mai 2017 in Future Day 2017 Preview

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